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.Auftakt zu VLOTTE II
Im Dezember 2008 kürte der österreichische Klima- und Energiefonds das Vorarlberger Projekt VLOTTE zum Gewinner einer Bundesförderung zur Einführung der Elektromobilität. Ende Dezember 2009 waren in Vorarlberg bereits 75 Elektro-Fahrzeuge im Einsatz.Mit den Plänen für einen weiteren Ausbau des Projekts konnte Vorarlberg nun erneut überzeugen und erhält eine weitere Förderung des Klima- und Energiefonds. Unter dem Titel VLOTTE II soll Elektromobilität nun für alle Menschen in Vorarlberg greifbar werden. Im Gespräch mit e-connected zieht VLOTTE Geschäftsführer DI Gerhard Günther Bilanz:
Gerhard Günther: „Die Erfolge nach einem Jahr VLOTTE können sich wahrlich sehen lassen. 75 Elektrofahrzeuge sind auf der Straße, 32 Stromstellen wurden errichtet. Insgesamt legte die VLOTTE beeindruckende 150.000 km zurück. Ein noch besseres Ergebnis verhinderte nur die Tatsache, dass nicht genügend Elektrofahrzeuge auf dem Markt erhältlich sind.
e-connected: Wie funktioniert das Geschäftsmodell der Mobilitätskarte?
Gerhard Günther: „Statt des Fahrzeugkaufs wird den VLOTTE-Kunden eine „Mobilitätskarte“ für etwa 500 € pro Monat (genaue Höhe abhängig vom Fahrzeugtyp) angeboten. Die Mobilitätskarte beinhaltet neben dem Fahrzeugleasing auch Wartungskosten der elektrischen Teile, eine Netzkarte für den Vorarlberger Verkehrsverbund und die kostenlose Betankung an allen öffentlichen Stromstellen. Nach vier Jahren wird das Fahrzeug vom Kunden zu einem Restwert von 25% des Anschaffungswerts gekauft. Zusätzlich erhalten VLOTTE-Kunden eine kostenlose ÖAMTC-Mitgliedschaft für die Jahre 2009 und 2010.“
e-connected: Wie wirken sich Elektrofahrzeuge auf den Stromverbrauch aus?
Gerhard Günther: „In Vorarlberg sind ca. 250.000 Fahrzeuge zugelassen. Gelingt es, zehn Prozent durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen, würde der Strombedarf nur gering steigen – um drei Prozent. In Vorarlberg wären dies rund 60 Millionen Kilowattstunden (kWh), das entspricht der Produktion eines kleinen Kraftwerks. Zum Vergleich: Das Kraftwerk Alberschwende bietet eine Jahreserzeugung von 96,4 Millionen kWh. Gegenüber einem Dieselmotor verfügt ein Elektromotor über eine wesentlich höhere Energieeffizienz. Ein Elektrofahrzeug verbraucht im Durchschnitt 18 kWh für 100 Kilometer. Bei einem Dieselmotor sind es rund fünf Liter, das entspricht einem Verbrauch von 50 kWh.“
e-connected: Wie waren die Reaktionen auf die VLOTTE?
Gerhard Günther: „Mit dem Projekt VLOTTE leistet Vorarlberg Pionierarbeit bei der Einführung der Elektromobilität. Das Projekt sorgt mittlerweile nicht nur regional, sondern auch international für Aufsehen. Nach dem ersten Jahr lässt sich eine überaus positive Zwischenbilanz ziehen. Gemeinsam mit London und Berlin gehört Vorarlberg zu den größten Modellregionen für Elektromobilität in Europa. Das Feedback der VLOTTE-Kunden ist absolut positiv und die bisherigen Erfahrungen zeigen eindeutig, dass Elektromobilität funktioniert. Das Ersetzen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor durch Elektrofahrzeuge in den Unternehmensfuhrparks verlief absolut reibungslos. Nach einer kurzen Phase anfänglicher Berührungsängste werden die Elektromobile von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sogar überdurchschnittlich oft für Betriebsfahrten reserviert. Die Beschäftigten in den teilnehmenden Unternehmen haben rasch erkannt, dass ein Umstieg auf die Elektromobilität keinerlei Komfortverlust bedeutet und sind stolz darauf, mit einem umweltfreundlichen Elektrofahrzeug unterwegs sein zu können.“
e-connected: Mit welchen Schwierigkeiten war oder ist die VLOTTE konfrontiert?
Gerhard Günther: „Eine noch größere Dimension des Projektes verhindert derzeit die schwierige Situation auf dem Elektrofahrzeugmarkt. Bis dato gibt es noch kein elektrisches Serienfahrzeug, das in großen Stückzahlen für das Projekt VLOTTE erworben werden kann. Wegen der großen Nachfrage mussten wir auf Eigeninitiative setzen. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner Fiat Rohrer in Rankweil werden aufgrund der Knappheit am Markt auch Fahrzeuge der Marke Fiat 500 umgebaut und mit einem Elektromotor ausgestattet. Abhängig von der zeitgerechten und vollständigen Lieferung der einzelnen Komponenten können zwei Fahrzeuge pro Woche umgerüstet werden.
Unterstützung bei der Versorgung mit Elektroautos erhoffen wir uns auch von der Firma Denzel, die vor kurzem Generalimporteur von Th!nk wurde.“
e-connected: Woher kommt die Energie für die VLOTTE?
Gerhard Günther: „Die gesamte Energie, die im Rahmen des VLOTTE-Versuchs für die Betankung der Elektrofahrzeuge benötigt wird, wird durch zusätzliche erneuerbare Energiequellen aufgebracht. Im August 2009 entstand auf dem Gelände von illwerke vkw in Bregenz in Kooperation mit der Rhomberg-Tochter Goldbeck Rhomberg in Rekordbauzeit eine Fotovoltaikanlage, die die benötigte Energie für den Jahresverbrauch von rund 45 Elektroautos erzeugen wird. Auf einer Gesamtfläche von insgesamt 1330 Quadratmetern wurden auf dem Dach einer bereits vorhandenen Hochgarage insgesamt 270 PV-Module montiert. Die Module verfügen über eine Gesamtnutzfläche von rund 460m² und liefern eine Jahreserzeugung von ca. 60.000 kWh.“
e-connected: Wie sieht die Versorgung mit Stromstellen aus?
Gerhard Günther: „illwerke vkw sorgt im Rahmen des Projekts für den Ausbau der Stromstellen-Infrastruktur in Vorarlberg: Nach Abschluss der unterschiedlichen Prüfungs- und Genehmigungsverfahren erfolgte im Herbst 2009 die Montage der ersten öffentlich zugänglichen VLOTTE-Stromstelle auf dem ÖAMTC Gelände neben dem Dornbirner Messepark. Die VLOTTE-Stromstellen verfügen über ein Park & Charge-Zugangssystem und zwei 16-Ampère Steckdosen. VLOTTE Kunden und Park & Charge-Teilnehmer können ihr Fahrzeug während der Parkzeit kostenlos aufladen. Bis dato konnten in Vorarlberg insgesamt 32 Stromstellen realisiert werden.“
e-connected: Welche Ziele verfolgt das Projekt VLOTTE II?
Gerhard Günther: „2010 startet das Projekt VLOTTE in eine neue Phase. VLOTTE II wird den niederschwelligen Zugang zur Elektromobilität gewährleisten. Im Rahmen der nächsten Projektphase soll jeder dritte Vorarlberger mittelfristig Zugang zur Elektromobilität erhalten. Erreicht werden soll dies durch die Errichtung so genannter Mobilitäts-Hubs. An solchen Verleihstationen für Elektromobilität sollen zukünftig Elektroautos, Roller und Fahrräder ausgeliehen werden können. Als erste Gemeinde in Österreich wird Lech am Arlberg Standort für einen VLOTTE-Hub sein. VLOTTE II beinhaltet zusätzlich einen Ausbau der Carsharing-Möglichkeiten für Unternehmen. Firmenfuhrparks sollen zukünftig auf die Vorteile der gemeinsamen Nutzung von Elektrofahrzeugen zurückgreifen können. Einen weiteren Schritt in die Zukunft setzt VLOTTE II mit der Implementierung von E-Fahrzeugen in das Vorarlberger Tourismusangebot. Im Zuge von VLOTTE II soll die Anzahl der E-Autos auf 250 ausgebaut und um einspurige Fahrzeuge erweitert werden. Für Elektroroller gibt es derzeit eine Förderaktion.“
Partner des Projekts VLOTTE sind: illwerke vkw, Land Vorarlberg, Energieinstitut Vorarlberg, Vorarlberger Verkehrsverbund, Vorarlberger Landesversicherung, Raiffeisen Leasing, ÖAMTC, Kairos, TU Wien, Autohaus Rohrer Rankweil.
Mehr unter: www.vlotte.at


