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e-connected - Initiative für Elektromobilität und nachhaltige Energieversorgung

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Auftakt zu VLOTTE II

Pioniergeist und Umweltbewusstsein

Als der Klima- und Energiefonds der österreichischen Bundesregierung Ende 2008 das Projekt VLOTTE des Vorarlberger Energiedienstleisters illwerke vkw zum Sieger einer bundesweiten Ausschreibung kürte, wurde das Ländle zur ersten Modellregion für Elektromobilität. Drei Jahre später stand fest: Die hohen Erwartungen konnten erfüllt werden – Elektromobilität funktioniert und ist schon heute im Alltag der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger angekommen.
 
Im Gespräch mit e-connected zieht VLOTTE-Projektleiter Christian Eugster Bilanz.

e-connected: Die VLOTTE wurde drei Jahre lang vom Klima- und Energiefonds gefördert. Nun steht das Projekt auf eigenen Beinen. Was hat sich rückblickend getan?

Christian Eugster:
Das VLOTTE-Geschäftsmodell basierte auf einer Mobilitätsrate, in der die Finanzierung des Elektrofahrzeugs, eine Jahreskarte vom Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV), die ÖAMTC-Mitgliedschaft, der Zugang zu den öffentlichen Ladesäulen und technischer Service für die Batterie inkludiert waren. Bei einem Leasing-Zeitraum von fünf Jahren, ergab das eine Rate von 350 Euro monatlich. Unsere Kooperationspartner waren Raiffeisen Leasing, der ÖAMTC, die Vorarlberger Landesversicherung, der Verkehrsverbund Vorarlberg, Citroen, Mitsubishi und Peugeot. Am Anfang richtete sich das VLOTTE-Angebot – wegen der damals noch hohen Kosten für Elektroautos - ausschließlich an Gewerbebetriebe oder Kommunen. Zum Start der Modellregion VLOTTE gab es noch keine Serienhersteller von Elektroautos. Die Beschaffung der Fahrzeuge war also eine echte Herausforderung. Zu Beginn waren umgebaute Fiat 500 und Think City im Einsatz.
 
e-connected: Wie haben sich die Elektrofahrzeuge auf den Stromverbrauch der Modellregion ausgewirkt?

Christian Eugster: Kaum. Hochgerechnet auf den gesamten Stromverbrauch von Vorarlberg – rund 2500 Gigawattstunden pro Jahr – lag der zusätzliche Verbrauch durch Elektroautos im Promillebereich. Bei einem Anteil von 10% Elektroautos, also rund 24 000 Fahrzeugen, würden wir ca. 2,5 % mehr Strom brauchen. Momentan sind aber 357 unterwegs.
 
e-connected: Der Förderzeitraum des Klima- und Energiefonds endete im vergangenen Dezember. Wie sieht die Zukunft der VLOTTE aus?

Christian Eugster: Als Projektbetreiber wollen wir, dass die VLOTTE weiterlebt. Wir sind nach wie vor Dienstleister rund um das Thema Elektromobilität. Trotzdem sind Förderungen notwendig, denn die E-Mobilität ist immer noch zu teuer, um auf eigenen Beinen zu stehen. Derzeit gibt es Förderungen über klima:aktiv. Dabei erhalten Gewerbekunden Elektroautos um bis zu 5000 Euro billiger.

e-connected: Wurden die VLOTTE-Aktivitäten auch aus Deutschland oder der Schweiz beobachtet?

Christian Eugster: Natürlich. Wir sind ja im Grenzgebiet. Vor allem unsere deutschen Nachbarn haben uns um die Fördermöglichkeiten beneidet. Es gab aber auch Anfragen aus Slowenien oder Südtirol. Generell wollten die Interessenten wissen, wie man eine Modellregion aufbaut.
 
e-connected: Wie waren die Reaktionen auf die ersten VLOTTE-E-Fahrzeuge?
 
Christian Eugster: Ziemlich kontrovers: Der th!nk wurde oft als Plastikauto abgetan und der Fiat wurde als Umbaumodell nicht ernst genommen. Am Ende war die Akzeptanz aber sehr groß. Viele, die das Elektroauto ursprünglich als Zweitauto angeschafft hatten, nutzen es in der Folge als Erstauto und legten deutlich mehr Kilometer zurück, als geplant.

e-connected: Hat die VLOTTE auch das Umweltbewusstsein der Menschen gefördert?

Christian Eugster:
Leute, die sich für E-Mobilität interessieren, haben im Allgemeinen schon ein starkes Umweltbewusstsein. Die VLOTTE-Kunden hatten und haben generell einen sehr hohen Wissensstand. Allen war zum Beispiel sehr wichtig, dass die Fahrzeuge mit Ökostrom betrieben werden. Im Rahmen der VLOTTE haben wir auch Photovoltaik-Anlagen und eine Kleinwasserkraftanlage gebaut. Das hat die Glaubwürdigkeit des Projekts noch zusätzlich erhöht.

e-connected: Im Rahmen des VLOTTE-Pakets gab es auch eine Verkehrsverbundkarte. Wurde die verstärkt in Anspruch genommen?

Christian Eugster: Die Praxis hat gezeigt, dass Elektroautos, Benzinautos ersetzen. Autofahrer steigen eher selten auf den öffentlichen Verkehr um. Anders ist das allerdings bei Elektrofahrrädern. Das Forschungsprojekt LANDRAD hat gezeigt, dass rund ein Drittel der PKW- Fahrten mit Elektrofahrrädern absolviert werden können.

e-connected: Mit welchen Schwierigkeiten war oder ist die VLOTTE konfrontiert?

Christian Eugster: Das größte Problem war die mangelnde Verfügbarkeit von E-Fahrzeugen. Das wurde aber mit den Serienautos leichter. Schwierig war auch, den – trotz Förderung – hohen Preis zu argumentieren, obwohl sich der Betrieb der Fahrzeuge, mit der VLOTTE-Förderung bereits nach fünf Jahren rechnet. Trotzdem war der Preis das Hauptproblem. Vor allem in der zweiten Phase, als auch Privatpersonen in den VLOTTE-Versuch aufgenommen wurden. Die Menschen wissen oft nicht, was Mobilität eigentlich kostet.

e-connected: Woher kommt die Energie für die VLOTTE?

Christian Eugster: Wir haben bis jetzt drei Photovoltaik-Anlagen gebaut, die rund 100 000 kWh pro Jahr liefern. Zusammen mit dem ebenfalls errichteten Kleinwasserkraftwerk, das jährlich 600 000 kWh beisteuert, haben wir mehr Energie, als die VLOTTE momentan braucht.

e-connected: Welche Ziele wird die VLOTTE in Zukunft verfolgen?

Christian Eugster:
Ursprünglich war die VLOTTE ein Markteinführungsprojekt. Wir wollten den Nachweis bringen, dass Elektromobilität praktikabel ist. Das hat funktioniert. Jetzt wollen wir das Thema weiter stützen und gemeinsam mit dem Fachhandel und dem Land Vorarlberg anpacken. Die VLOTTE ist jetzt Treiber, für die Erhöhung der E-Autos auf Vorarlbergs Straßen. Das mittelfristige Ziel für Vorarlberg sind 5% Elektroautos. Unsere Aufgabe ist die Information rund um alle Themen der Elektromobilität. Die Menschen wissen zum Beispiel oft gar nicht, dass und welche Förderungen es gibt. Da muss gezielt medial darauf hingewiesen werden. Wir organisieren auch immer wieder Aktionen gemeinsam mit Automobilherstellern, damit die Fahrzeuge zu einem guten Preis an Neukunden kommen.

e-connected: Wie sieht die Versorgung mit Ladestationen momentan aus und was ist noch geplant? Wie ist die Nachfrage nach Ladestationen von Endnutzer und potentiellen Ladestationsbetreibern?


Christian Eugster:
Dort wo es zu wenig gibt, muss zwar nachgerüstet werden. Aber generell sind die Ladestationen nicht wirklich ausgelastet. Die meisten laden zu Hause. Sehr gute Auslastung gab und gibt es bei den Schnellladestationen.

e-connected: Ist das Thema Reichweite von Elektrofahrzeugen für die tatsächlichen Nutzer ein Problem im Alltag?

Christian Eugster: Die Reichweite wird immer heiß diskutiert, aber es hat sich gezeigt, dass die täglichen Wege meist kürzer als 50 km sind und das ist mit einem Elektroauto locker zu schaffen. Elektroautos eignen sich in erster Linie für Alltagsfahrten. Für Urlaubsfahrten sind sie wegen der mangelnden Reichweite weniger geeignet.

e-connected: Wie sieht die aktuelle VLOTTE-Bilanz in Zahlen aus?

Christian Eugster: Nach drei Projektjahren sind 357 Elektroautos unterwegs, mit denen bis Ende 2011 rund 2,5 Millionen Kilometer zurückgelegt wurden. Mit 120 Ladestationen und drei Schnellladestationen verfügen wir jetzt über eine flächendeckende Ladeinfrastruktur. Zudem wurden zwei Photovoltaik- Anlagen und eine Kleinwasserkraftanlage errichtet. Wesentliche Impulse konnten auch bei der Forschung und Bewusstseinsbildung gegeben werden. Uns ist es gelungen, die Kunden am richtigen Punkt abzuholen. Das ist wahrscheinlich das Erfolgsrezept der VLOTTE. Als erste Elektromobilitäts-Modellregion Österreichs hat uns auch ein Pioniergeist angetrieben und vereint.


e-connected: Danke für das Gespräch.

Das Interview wurde im August 2012 geführt.